Fragebogen: Arne Kasten ist gern Herr über seine Zeit

Arne Kasten

Dass Arne Kasten in seiner Freizeit gern liest und Familienausflüge macht, klingt nicht ungewöhnlich. Wirft man aber einen Blick auf seine Vita, fragt man sich schnell, wann er eigentlich die Zeit dafür hat.
Geboren wurde Arne Kasten, den viele Fundraiser als Studienleiter der Fundraising Akademie und als Dozent der Fundraisingtage kennen, in Madrid, wo er das deutsche Abitur ablegte, um danach in Regensburg Geschichte und Soziologie zu studieren. Bis er schließlich selbstständiger Berater zur Einführung, Optimierung und Umstellung von Fundraisingsystemen wurde, als der er heute tätig ist, gab es für ihn noch einige Stationen, die eher unerwartet sind. Es sollte also noch etwas dauern, bis er in den Genuss kommen sollte, Herr über seine Zeit zu sein. Nach einem Wechsel des Studiengangs zu Chinesisch/Indonesisch-Übersetzung kam eine Fernausbildung zum Fotografen hinzu. Weiter ging es mit einer Ausbildung zum Bürokaufmann bei einem Inkassounternehmen. Als er dort an sieben Tagen die Woche irgendwann bis zu 14 Stunden arbeitete, stand für ihn fest: „Ich will reiche Menschen nicht reicher machen!“ Der Mehrwert seiner Arbeit sollte vielen zugutekommen.
Zum Fundraising kam er eher nebenher. Für „Ärzte ohne Grenzen“ hat er bewiesen, was er kann: Von 1997 bis 2009 steigerte er die Einnahmen von 2,2 Millionen Euro auf gute 40 Millionen Euro. Dabei war auch das nur eins von vielen Kapiteln.

www.akb-fundraising.de

 

  1. Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Ein guter Tag beginnt …
    … mit einem Lächeln und einer guten Tasse Kaffee.

  2. Was wollten Sie als Kind werden?
    Fremdenlegionär, um die Kambodschaner von den Roten Khmer zu befreien. Ich verabscheue bis heute jede Art von Unrecht, vor allem wenn versucht wird, dieses Unrecht durch Gewalt, Mord und Totschlag zu legitimieren.

  3. Was würden Sie als Unwort des Jahres vorschlagen?
    Klinkenputzen. Ich finde es unerträglich, wie die hervorragende Arbeit aller Fundraising-Kollegen mit einem Wort zu Unrecht verunglimpft wird.

  4. Welches politische Projekt würden Sie gern beschleunigen?
    Die Bildungsreform. Aus meiner Sicht ist Bildung die Grundlage jeder gesellschaftlichen Entwicklung. Unter anderem würden dann Flüchtlinge nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung gesehen werden.

  5. Sie machen eine Zeitreise in das Jahr 1990. Was würden Sie dort tun?
    Helmut Kohl bitten, keine blühenden Landschaften zu versprechen. Und die digitale Revolution besser vorbereiten. Aber mich auch darüber freuen, wie wunderbar rückständig und altmodisch wir damals waren.

  6. Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
    Dietrich Wagner, der Demonstrant, der am 30. September 2010 bei der gewaltsamen Räumung des Stuttgarter Schlossgartens bei Protesten gegen Stuttgart 21 von einem Wasserwerfer an den Augen verletzt wurde. Er steht für die Unfähigkeit der Politik, mit dem neu erstarkten friedlichen bürgerlichen Protest umzugehen.
    Dem Verein „Be an Angel“ e. V. aus Berlin. Sie stehen für einen menschen­würdigen und unvoreingenommenen Umgang mit Geflüchteten, ohne naiv zu sein. Sie legen eine bewundernswerte Nonchalance im Umgang mit den Behörden an den Tag. Sie sind zäh und beharrlich und unglaublich liebenswürdig.

  7. Sie treffen den reichsten Menschen der Welt im Aufzug. Was sagen Sie ihm?
    Wie können Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren, dass Ihr Vermögen auf der Armut der Bevölkerung aufbaut? Ein gutes Beispiel für den Umgang mit Reichtum ist Joanne K. Rowling, die so viel von ihrem Vermögen gespendet hat, dass sie aus der Forbes-Liste der Milliardäre gestrichen wurde. Ich helfe Ihnen gerne bei Spenden.

  8. Wer ist für Sie ein Held?
    Jeder, der es schafft, den Alltag ohne Gewalt zu meistern und gleichzeitig das Leben lebenswerter zu machen. Für sich und für andere.

  9. Wo hätten Sie gern Ihren Zweitwohnsitz?
    Nirgendwo. Ich lebe gerne in Deutschland, zurzeit in Berlin. Bei allen Problemen und Schwierigkeiten: Ich genieße die Möglichkeiten und die Freiheit unseres Landes.

  10. Was tun Sie, wenn Sie nichts zu tun haben?
    Lesen und debattieren, am besten am Lagerfeuer mit einem Single Malt und einer Zigarre. Auch wenn es ungesund ist. Das regt die Gedanken an.

  11. Worüber können Sie lachen?
    Über die Bemühungen meiner pubertären Kinder, mich austricksen zu wollen. Sie verstehen einfach nicht, dass ich auch mal jung war…

  12. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
    Die, für die man die Verantwortung übernimmt, weil durch Selbsterkenntnis Forstschritt entsteht.

  13. Was war früher besser?
    Nichts. Früher war vieles anders, aber nicht besser. Und die Zukunft wird noch besser.

  14. Was sollte über Sie im Lexikon stehen?
    Arne Kasten ist Fundraiser aus Überzeugung und zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus: Struktur und Leidenschaft. Er verbindet diese zwei Eigenschaften, um Fundraising zum Erfolg zu führen. Er ist ein emphatischer Zahlenmensch, der nie vergisst, was er miteinander verbindet: gemeinnützige Zwecke und die Spender, die sie finanzieren. Seine Fokussierung auf Optimierung und Weiterentwicklung macht ihn nicht immer beliebt, weil er gerne den Finger in die Wunde steckt. Das Wichtigste für ihn ist sein gesamtes soziales Umfeld, von dem seine Familie den Kern bildet.

  15. Zum Abschluss vervollständigen Sie bitte diese Aussage: Eine Spende ist für mich …
    … ein leidenschaftlicher Appell, sich um das Thema zu kümmern, für das gespendet wurde. Also praktisch eine Liebeserklärung an die empfangende Organisation.

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