30.11.2011

Loipfingers letzter Kreuzzug

Der reißerische Titel des Buches „Die Spendenmafia“ ist Programm: Hier geht es um kriminelle Machenschaften, Spenderbetrug und Abzocke. Es ist Stefan Loipfinger zu Gute zu halten, dass er Missstände anprangert, etwas verändern will. Davon werden die Vorwürfe nicht neuer oder genauer, haben aber in einigen Fällen Berechtigung.

Leider entfernt sich der Autor im Buch aber weit von jeder journalistischen Sorgfaltspflicht und wirft alle in einen Topf. Da werden Fundraiser zu „Handlangern der Bettelmafiapaten“, wie er von „bösen Insider-Zungen“ gehört haben will, die bei der Fundraising-Akademie in Frankfurt ihr Handwerk lernen. Nicht nur an diesem Punkt schießt er für meinen Geschmack extrem über das Ziel hinaus, den dritten Sektor in Deutschland nicht beschädigen zu wollen, wie er im Prolog ausführt. Immer wieder nennt er den Versand von Spendenbriefen oder Standwerbung von gemeinnützigen Organisationen in einem Atemzug mit kriminellen Beispielen. Da werden Agenturen schnell zu „Wortgauklern“, die ihren „JudasJob“ „fürstlich entlohnt“ bekommen. Damit die Sache glaubwürdiger wird, bekommen alle etwas ab: Prominente, Politik, Firmen, Spendenrat und sogar Gerichte. Sicher, mehr Transparenz täte dem ganzen Sektor gut, aber ist diese Polemik der Weg?

Wie werden Spender auf die verwirrende Verteufelung von Spendenwerbung, von Personalkosten und Fundraisingmethoden reagieren? Doch das interessiert Loipfinger nicht an. Er ist auf einem Kreuzzug und „im Krieg ist jedes Mittel recht“. So schreckt man Spender ab und erzieht sie nicht zu mündigen Förderern, die keine „Spendenautomaten“ mehr sind.

Matthias Daberstiel


Stefan Loipfinger: Die Spendenmafia. Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid. Knaur. 2011. 272 Seiten. ISBN: 9783426784983. 8,99 €.

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