01.03.2009

Nachwuchs-Adresshändler Fabian F. Fröhlich betreibt Nachforschung

Was soll dieses ganze Theater mit Listenprivileg und Tripple-opt-in? Alles nur Panikmache! Oder kennen Sie irgend jemanden, der wirklich keine Post, keine Anrufe und keine neuen Informationen haben will? Sehen Sie, ich auch nicht!

Klar, so ein Aufkleber „Bitte keine Werbung“ am Briefkasten gehört schon dazu. Sähe auch blöd aus, wenn man der einzige im Haus ist, der keinen dran hat. Was sollen denn die Nachbarn denken. Dass man etwa ein Schnäppchenjäger sei? Gar ein Geizkragen? Das ist im Jahr 2009 trotz Krise nicht mehr angesagt.

Wer keine Anrufe von Lotto und Co. möchte, könnte ja generell die Mailbox rangehen lassen und dann die wirklich wichtigen Leute zurückrufen. Aber mal im Ernst: Mir ist noch niemand begegnet, der das tatsächlich macht. Schließlich geht nichts über den Nutzen einer telefonischen Meinungsumfrage zu den eigenen Wein-Vorlieben. „Gut dass Sie mich anrufen, ich muss wirklich mal über meinen Alkoholkonsum nachdenken.“ Spart bestenfalls sogar die Psychoanalyse. Wie? Darüber soll ich lieber mit einem guten Freund sprechen? Mach ich doch schon längst. Und nicht nur mit einem. Im VZ hab ich ’ne eigene Gruppe dafür, dort werden unsere Fotos aktuell kommentiert. Zum Beispiel das von Franks letztem Absturz auf dieser 80er-Revival-Party. Ist schon schrill, wie viel Wahrheit im Wein liegt – und erst im Weinbrand …

Nee, peinlich ist das nicht, das ganze VZ ist voll mit solchen Bildern. Sieht ja keiner, ist doch im engen Freundeskreis. Wer will, kann sich ja Tarnnamen zulegen. So wie die Desperate Housewives in den Online-Single- Börsen. Als ich gestern – rein zu Recherchezwecken! – dort unterwegs war, hab ich mich über das schöne neue Foto von Gipsy Flame, unserer Personalchefin, gefreut. Sieht heiß aus in diesem roten Nichts, und bei der nächsten Gehaltsverhandlung werde ich mal ihre Vorliebe für Sex an öffentlichen Orten ins Gespräch bringen. Dann hab ich auch eher Chancen auf eine Beförderung als der pedantische Schmidt aus der Datenschutzabteilung.

Die komplette Ausgabe Frühjahr/2009 finden Sie in unserem Archiv.

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