01.09.2009

Nachwuchs-Visionär Fabian F. Fröhlich rettet die Welt

Schon mit vier Jahren sollen unsere Kinder künftig eingeschult werden! Das forderte Ursula von der Leyen und schaffte es damit im Sommerloch auf die Titelseiten. Die Verantwortung für das dicke Defizit an Kita-Plätzen würde sich dann ganz unbemerkt ins Bildungsressort verlagern. Und wer schneller lesen kann, als er lernt, Fakten von Fiktion zu unterscheiden, den kann man auch medial besser um den Finger wickeln … schöne Vision! Schul-Reife gehört aber auch dazu.

Mein siebenjähriger Neffe feierte gerade seinen Schulanfang und führte gleichzeitig den lebenden Beweis, dass lesen, schreiben und rechnen nicht alles im Leben ist. Sein größter Wunsch wurde erfüllt: ein Riesenbaukasten „Lego-Powerminers“. Stolz erklärte er mir, dass er jetzt die Welt rettet. Denn im Erdinneren leben gefährliche Monster, die Bodenschätze fressen, was zu Eruptionen führt. Doch die klugen, kraftstrotzenden Bergleute mit ihren Spezialmaschinen fangen diese skrupellosen Verschwender fossiler Energieträger und sorgen dafür, dass das Gleichgewicht auf unserem Planeten wieder hergestellt ist – so jedenfalls die Story hinter diesem neuen Spielzeug. Ich war beeindruckt! Es kann so easy sein, den Klimawandel aufzuhalten! Zumindest für Siebenjährige, für die Wunsch und Wirklichkeit eben noch dicht beieinander liegen.

Andererseits verfallen auch Erwachsene gern mal der Idee, spielerisch die Welt zu retten. „Puma verzichtet auf Fleisch“, war beispielsweise kürzlich zu lesen. Nicht das Tier, die Mitarbeiter des Turnschuhproduzenten essen ab jetzt montags in der Kantine immer vegetarisch. In seiner Presseerklärung weist das Unternehmen darauf hin, dass die Teilnahme am „Meat Free Monday“ ein Beitrag zum Umweltschutz ist. Sehr lobenswert! Und was für ein Beitrag wäre erst eine lederfreie Schuhkollektion!

Der gute Zweck heiligt die Mittel, auch beim Benefiz-Kartrennen: DTMChampions, Formel-1-Piloten und Motorradprofi s traten gegeneinander an – bestimmt mit Biokraftstoff – und machten eine Wohlfahrtsorganisation glücklich, die sich für die Zukunft von Kindern einsetzt.

Und auch ich werde von nun an meinen Beitrag dazu leisten, die Welt zu retten: mit dem denkfreien Nachmittag. Beim Denken verbraucht der Mensch nämlich mehr Sauerstoff ! Haben Wissenschaftler herausgefunden! Deswegen werden jetzt alle Mitarbeiter der Redaktion sofort den Kopf ausschalten. Weil das für die gute Sache ist, hat die Chefin bestimmt nichts dagegen.

Die komplette Ausgabe Herbst/2009 finden Sie in unserem Archiv.

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