01.03.2008
Zweckoptimist Fabian F. Fröhlich meint
Danke Herr Garlichs!
Bad news are good news – so läuft es nun mal. Wann ist ein Bürgermeister im Fernsehen? Wenn er sich am Ort einer Katastrophe selbst ein Bild macht, mit Opfern spricht oder wenn er bei der Steuerhinterziehung erwischt wurde. Ganz selten auch mal, wenn er einen Spendenscheck überreicht. Doch das wird sich jetzt alles ändern! Dietrich Garlichs sei Dank.
Die Unicef-Affäre ist das beste, was der Branche passieren konnte. Mediale Aufmerksamkeit wie lange nicht mehr. Googeln Sie mal den Begriff „Fundraising“: 337 000 Treffer auf Seiten aus Deutschland. Vor Unicef sah das noch anders aus. Land auf Land ab steht jetzt in den Zeitungen, wie professionelles Spendensammeln funktioniert. Experten, die der breiten Öffentlichkeit bis dato unbekannt waren, werden um Statements gebeten. Wann hatte der Deutsche Fundraisingverband schon einmal Gelegenheit, offen und unverblümt zu melden, dass es gute Arbeit nicht für lau geben kann? Wann konnten NPOs ohne DZI-Siegel bedenkenlos behaupten, dass sie gern verzichten, weil sie noch viel transparenter arbeiten? PR, die früher eher mühevoll war, stößt inzwischen auf offene Ohren in Redaktionsstuben.
Bei den gemeinnützigen Organisationen kann sich auch in der Verwaltung Offenheit durchsetzen. Beraterhonorare umzudeklarieren war vielleicht bisher gängig - nun ist es offiziell unfein und man darf auch die Geschäftsführung ungestraft dran erinnern! Die Dienstleister brauchen nicht mehr unter Provisionsdruck zu arbeiten, denn das ist jetzt dermaßen geächtet, dass sich kein Vereinsvorstand mehr damit in Verbindung bringen will. Da tun sich Möglichkeiten auf ... Auch für den Berufsverband der Fundraiser in Deutschland. Der kriegt jetzt endlich seinen „Ethik-Kodex“ fertig. Was lange währt, klappt halt spätestens unter Terminzwang.
Wegen schlechter Nachrichten wird also alles gut: Schulkinder, Politessen, sogar die Kanzlerin – alle sind total sensibilisiert für die Arbeit des Dritten Sektors. Und wie viel besser wäre alles noch gekommen, wenn Post-Klaus wie geplant die Tanz-Heide bei Unicef abgelöst hätte?
Na ja, man kann nicht immer Glück haben!
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