Crowdfunding für Journalismus: R wie Rekord

Die ersten 200 Mitglieder der „Republik“ stehen Schlange vor dem Hotel Rothaus.
Großer Ansturm im Hotel Rothaus: Die ersten 200 Mitglieder der „Republik“ stehen Schlange.

Darum geht’s: Crowdfunding, Fundraising, Journalismus, Schweiz

10.000 Unterstützer und mehr als 2,5 Millionen Franken – gewonnen und eingenommen durch Crowdfunding: Das Schweizer Online-Magazin „Republik“ hat in wenigen Tagen nicht nur die eigenen Ziele übertroffen, sondern nebenbei noch ein paar Fundraising-Rekorde eingestellt. Viel Vorschusslorbeer für das Team um Constantin Seibt.

Seit drei Jahren feilt die Crew bereits an „Project R“. Die zehn Männer und Frauen haben ein Ziel: ein neues digitales Magazin für die Schweiz. Guter Journalismus soll es werden, ohne die großen Verlage und ohne die Abhängigkeit von Anzeigenkunden. Wie genau das gehen soll, war lange unklar. Vor allem zwei Dinge blieben erstmal offen: der Name und die Finanzierung des Vorhabens. Beides steht mittlerweile fest: „Republik“ nannten die Macher von „Project R“ ihr Baby, dem sie gerade eine vergoldete Erstausstattung spendieren.

Ziel: Mindestens 3000 Förderer überzeugen

Am 26. April begann das Crowdfunding für die neu gegründete „Republik“, das Team um den Journalisten Constantin Seibt hatte sich ein Ziel gesteckt: mindestens 3000 Förderer davon überzeugen, insgesamt 750.000 Schweizer Franken für das Projekt auszugeben. Das Republik-Abo kostet 240 Franken. Nur wenn sich genügend Leser finden, wollte die Redaktion loslegen, so das Kalkül. Vom Erfolg des Crowdfunding machte sie daher auch die Freigabe der bereits zugesagten 3,5 Millionen Franken Spenden- und Sponsorengelder abhängig.

Hoch gepokert? Nein. Bereits um 15.00 Uhr desselben Tages erreichte die „Republik“ ihr Spendenziel. Die einzige Frage, die sich seitdem stellt, ist, welcher Fundraising-Rekord wohl als nächstes fällt. Bereits nach wenigen Stunden stand fest: Noch nie zuvor war ein Crowdfunding in der Schweiz derart erfolgreich gestartet. Nach 13 Stunden hatte die „Republik“ schon 1,2 Millionen Franken eingenommen und damit die höchste Summe, die je in der Schweiz auf diese Weise zusammenkam. Tags drauf übertrafen die Schweizer auch ihr holländisches Vorbild „De Correspondent“ – ein neuer Weltrekord für journalistisches Crowdfunding.

Constantin Seibt: „Wir dürfen es nicht vermasseln“

Was ist das Geheimnis des Fundraising-Erfolgs? Eine gute Geschichte. Die der „Republik“ geht so: „Die Demokratie wird von der Barbarei bedroht, der Journalismus muss sie retten“, analysiert Michael Furger von der NZZ am Sonntag. Weil die Großverlage nur an Geld denken, so die Behauptung, braucht es dafür etwas Neues. Das ganz große Versprechen also: Make journalism great again! Dazu noch ein Manifest, ein professionelles Kampagnenvideo und passende Etappenziele: zwei zusätzliche Volontäre ab 5000 Unterstützern, ein elfter Redakteur ab 7000, ein eigener Recherche-Etat ab 9000, Auslandskorrespondenten ab 10.000 Förderern.

In den ersten Wochen ihres Bestehens war die „Republik“ also vor allem eine erfolgreiche PR-Agentur in eigener Sache. So schildert es auch Constantin Seibt auf der Jahresfeier der Freischreiber in Frankfurt. Doch der Erfolg der Kampagne bringt auch eine publizistische Verantwortung mit sich: „Wir haben hektorliterweise Hoffnung verkauft – wir dürfen es nicht vermasseln.“ Damit das gelingt, will sich das Team richtig reinhängen. Denn manchmal, so zitiert Seibt die Philosophin Hannah Arendt, gebe es doch eine Möglichkeit, die Zukunft vorauszusagen: „Gib ein Versprechen und halte es.“

https://www.republik.ch/

Text: Peter Neitzsch
Foto: Jan Bolomey/republik.ch

 

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