Gabenzaun in Hamburg: Sachspenden für die Unerwünschten

Gabenzaun in Hamburg: Sachspenden für die Unerwünschten

Darum geht's: Spenden, Obdachlose, Stadt Hamburg, Facebook, Sachspenden

„Vielen Dank an die Stadt Hamburg für den tollen Gabenzaun. Eine wirklich gute Idee…“ Das steht auf einem Zettel, der vor dem Hauptbahnhof hängt, nur durch eine Klarsichtfolie vor dem hanseatischen Nieselregen geschützt. In Plastikbeuteln haben Hamburger daneben Gaben für Obdachlose am Zaun befestigt. Ob die gute Idee wirklich im Sinne der Stadt ist, darf getrost bezweifelt werden. Denn die hatte eigentlich ganz andere Pläne.

Absperrung gegen Obdachlose

Mit dem Metallgitter wollten die Behörden Obdachlose fernhalten, welche die Mauer bislang als Sitzgelegenheit nutzten. Auch weitere Umbaumaßnahmen am Bahnhofsvorplatz dienten dem Zweck, die unerwünschten Gäste von dem Gelände zu vertreiben. Jetzt haben anonyme Helfer den Spieß umgedreht: Seit Anfang Februar können sich Bedürftige hier gespendetes Hundefutter, Lebensmittel oder warme Socken nehmen. 

Spender treffen Spendenempfänger im realen Leben

Auf Facebook geben die Initiatoren Tipps, was dringend gebraucht wird: Kleidung, Hygieneartikel, Hunde-Zubehör. Fotos dokumentieren, wie fleißige Helfer, den Zaun in den vergangenen Tagen immer wieder mit guten Gaben bestückt haben. Die Seite hat mittlerweile mehr als 6000 Fans. Doch einmal auf „gefällt mir“ klicken geht schnell: Ob die echte Spendenbereitschaft auch dauerhaft mit der virtuellen Solidarität mithalten kann, wird sich zeigen: Beim schlechten Wetter am Wochenende hing nur noch ein einzelner Beutel mit Hundefutter am Zaun.

Die Mauer soll weg

Ohnehin hat die Spendenbeutel-Initiative mittlerweile ganz andere Schwierigkeiten. Der Bezirk will nun nicht nur den Zaun wieder abreißen, sondern die Mauer darunter gleich mit. Die Helfer beeindruckt das wenig: „Davon wissen wir. Aber wir werden nicht aufgeben und uns einfach einen neuen Zaun suchen“, schreiben sie auf Facebook.

Text und Foto: Peter Neitzsch

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