Want a Ride? – Autofahrer sollen Flüchtlinge integrieren

Flüchtlinge finden per App eine Mitfahrgelegenheit
Flüchtlinge finden per App eine Mitfahrgelegenheit

Darum geht‘s: Taxi, München, mitfahren, App, Start-up, Flüchtlinge

Fahrräder sind ja keine schlechte Sache. Die ermöglichen Flüchtlingen eine gewisse Mobilität. Daneben fahren aber Autos, die nur selten voll besetzt sind. Für regelmäßig stattfindende Fahrten bietet das Projekt WelcomeRide per App die Möglichkeit, Flüchtlinge einfach mitzunehmen. Und sich im Idealfall so kennenzulernen.

Vier Münchner Start-ups haben sich zusammengetan und auf ehrenamtlicher Basis eine Idee entwickelt, die Autos sinnvoller auslasten könnte und gleichzeitig Flüchtlingen zu mehr Mobilität verhelfen soll. Die gute alte Mitfahrgelegenheit in neuem Gewand sozusagen.

Einfach registrieren und Fahrt anbieten

David Baus und Manuel Wesch von Shäre haben bereits mit der App „Shäre a Taxi“ Erfahrungen im Bereich der Mobilität gemacht. WelcomeRide ist deshalb ähnlich aufgebaut. Autofahrer, die regelmäßig bestimmte Fahrten unternehmen oder vielleicht bereits wissen, wann sie wohin fahren werden, können sich online registrieren und ihre Fahrt anbieten.

„Die Anmeldung erfolgt mittels des eigenen Facebook- oder Twitter-Accounts“, erläutert Carina Wilhelm, PR-Beraterin in der Agentur Startup Communication, das Prinzip. Damit sollen Fake-Profile vermieden werden. „Dadurch haben wir von Anfang an einen gewissen Eindruck, wer sich da so alles anmeldet.“ Wer von A nach B kommen will, kann in einer einfachen Suchmaske nach einem passenden Angebot suchen, aber auch selbst ein Gesuch aufgeben. Eine Chatfunktion ermöglicht die Kontaktaufnahme. Seit Ende 2016 ist das Portal online. Bislang wird die Idee gut angenommen.

Mitfahren bei ganz unterschiedlichen Menschen

Fragen entstehen dabei natürlich trotzdem. Was, wenn sich Personen anmelden, die keine Flüchtlinge oder am Ende gar nicht mal „bedürftig“ sind? „Das ist ein Risiko, das wir eingehen müssen. Wir beobachten zwar die Entwicklung auf dem Portal, verfügen allerdings über keine Kontrollwerkzeuge. Bei Bedarf können sich die User aber natürlich an uns wenden. Die Möglichkeit, ein Profil zu sperren, haben wir natürlich“, so Wilhelm.

Eine entscheidende Eigenheit des Projektes besteht auf jeden Fall darin, dass ganz unterschiedliche Menschen als Fahrer damit angesprochen werden. Carina Wilhelm spricht „vom Fahrer eines 5er BMW bis zur Mama, die mit dem Golf in den Kindergarten fährt“. Das bedeutet, dass sich Menschen begegnen können, die sich wohl sonst möglicherweise nie über den Weg laufen würden. Nicht zuletzt deshalb funktioniert ja das „alte“ Prinzip der Mitfahrgelegenheit nach wie vor so gut.

Ableger in Griechenland gegründet

Zu allererst muss das Angebot aber natürlich bei der Zielgruppe bekannt gemacht werden. Nach bisher erfolgten Plakataktionen (Englisch und Arabisch) in einigen Flüchtlingsunterkünften sind für dieses Jahr Events in München und Berlin geplant, um die Idee weiter in die „Szene“ entsprechender Initiativen zu bringen. Im Dezember wurde auch schon in Zusammenarbeit mit dem Think Tank „Startup Boat“ ein Ableger der Idee in Griechenland gegründet.

Vielleicht scheut der eine oder andere Interessent vor dem „offenen“, weil so gar nicht kontrollierbaren Prozedere zurück. Verübeln könnte man das wohl niemandem. Aber ohne eine gewisse Portion an Idealismus und das nötige Urvertrauen hat bislang noch gar nichts in der Welt geklappt. Auch darin liegt wohl ein Teil der Definition eines Start-ups.

Text: Rico Stehfest
Foto: WelcomeRide/Sascia Wegner

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